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Veröffentlicht von - Juni 12, 2020 9:33 am

Was Führungskräfte und Teams von Weinverkostungen lernen können.

Weinverkostung als neues Tool

Weinverkostungen, auch virtuell, sind ein kreatives Tool in der Führungskräfteentwicklung. Durch Weinverkostungen wird ein anderer Zugang und Blick auf bekannte Themen möglich, wodurch neue Denkweisen generiert werden. Auch bei Teambuilding Events sind Weinverkostungen eine hervorragende Möglichkeit, um den Teamgeist zu stärken.

Weinverkostungen bieten Abwechslung

Eine Weinverkostung hat immer auch etwas Event-Charakter und macht einfach Spaß. Gleichzeitig können aber auch unternehmens- bzw. teamrelevante Themen vermittelt werden, so dass fördernde Prozesse in Gang gesetzt werden.

 

Gerade in Zeiten von Corona bieten sich virtuelle Weinverkostungen an, die es ermöglichen, online den gleichen Effekt wie real life zu erzielen und gleichzeitig für eine gelungene Abwechslung im Homeoffice Alltag zu sorgen. Dabei bekommen die Teilnehmer im Vorfeld ihr Weinprobenpaket nach Hause geschickt, so dass alle die gleichen Weine gemeinsam verkosten können.

Weinverkostungen in der Führungskräfteentwicklung

Themen, wie insbesondere Change, Wahrnehmung und Interpretation, Motivation, Stress, Mitarbeiterführung und Teamentwicklung können   anschaulich und spielerisch in einer Weinverkostung transportiert werden. Wein dient hier als Metapher für Themen, mit denen Mitarbeiter und Führungskräfte ständig im Berufsalltag konfrontiert werden.

Weinverkostungen als methodischer Prozess

Weinverkostungen laufen in der Regel sehr strukturiert ab. Dabei werden vier Schritte durchlaufen, die auf den Arbeitsalltag übertragbar sind:

Zusammenhang zwischen Weinkostung und Führung

Obwohl Weinverkostungen und Leadership auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben, gibt es entscheidende Parallelen. So brauchen wir Geduld und Erfahrung, um sowohl Wein als auch Mitarbeiter zu begreifen. Wir müssen verstehen, welcher Wein oder Mitarbeiter Potenzial hat, sich zu entwickeln oder bei welchem Wein oder Mitarbeiter dieses Potenzial fehlt. Welcher Wein oder Mitarbeiter präsentiert sich anders, als es der erste Eindruck vermuten lässt – also Wahrnehmung, Interpretation und Realität nicht übereinstimmen. Dabei werden aktiv unsere vorhandenen Sinne wieder geschärft. So können voreilige Schlüsse, Fehlinterpretationen, Fehlwahrnehmungen und Scheuklappendenken reduziert werden. 

Führung ist selten objektiv

In einer professionellen Weinverkostung geht es darum, den Wein zu bewerten, weniger darum, ob mir der Wein persönlich schmeckt. Der Fokus liegt darauf zu erkennen, ob der Wein einwandfrei ist oder Fehler hat. Was ist zu sehen, zu riechen, zu schmecken? Ein Wein kann hervorragend gemacht sein, keine Fehler haben und mir dennoch nicht schmecken. Das möglichst objektiv zu erkennen, ist die Aufgabe des Sommeliers. Übertragen auf das Thema Führung heißt das, dass man als Führungskraft nicht mit jedem Mitarbeiter auf persönlicher Ebene klar kommen muss. Aber es sollte möglich sein, auch mit Mitarbeitern, die einem nicht liegen, die aber einen guten Job machen, professionell zusammenzuarbeiten.

1. Schritt: Beobachten

Beobachten: In dieser Phase wird der Wein ‚beobachtet‘. Welche Farbe hat der Wein? Wie ist die Farbdichte und der Farbverlauf an den Rändern? Ist der Wein klar oder sind Trübungen oder Ablagerungen sichtbar? Ist Kohlendioxid enthalten? Wie ist die Viskosität nach dem Schwenken des Glases?


Leadership: Der erste Schritt jeder Führungskraft in einem Unternehmen besteht ebenfalls darin, seine Mitarbeiter zu beobachten. Wer ist fähig? Wer ist ein High, wer ein Low Performer? Wer braucht mehr Führung? Wer ist in der Lage, zu koordinieren oder komplexe Aufgaben zu bewerkstelligen usw.? Diese Beobachtungen brauchen Zeit. Zeit, die benötigt wird, die eigenen Mitarbeiter zu verstehen und wie diese in das große Bild der Organisation integrierbar sind. 

2. Schritt: Riechen

Riechen:  In dem zweiten Schritt wird versucht, den Wein olfaktorisch zu erschließen. Was kann ich riechen? Kann ich Aromenspektren benennen? Treten unerwartete Gerüche oder Fehlaromen auf? Stimmen Geruch und Farbe überein? Wie entwickelt sich das Aroma, wenn das Glas geschwenkt wird? Ist der Geruch intensiv oder verhalten? Kann man riechen, ob der Wein im Barrique oder im Stahltank ausgebaut wurde?

 

Leadership: Analog zur Führung werden in diesem Schritt erste Annahmen überprüft. Stimmen erste Beobachtungen bei Mitarbeitern mit meinen ersten Annahmen überein? Kann ich den Mitarbeiter riechen? Was passt, was ist anders? Wie verhält sich der Mitarbeiter unter Druck? Werden andere Facetten wahrnehmbar? Sind Mitarbeiter präsent oder treten diese eher verhalten in Erscheinung?

3. Schritt: Schmecken

Geschmack: Wie schmeckt der Wein? Ist das, was ich in der Nase wahrgenommen habe, auch schmeckbar und ergibt einen stimmigen Eindruck? Ist der Wein irgendwie ein Blender, weil von dem, was man gerochen hat, geschmacklich nichts da ist? Oder ist da viel mehr und der Wein überrascht positiv und hat wesentlich mehr Facetten als angenommen?

 

Leadership: Hier wird deutlich, ob sich der visuelle und olfaktorische Eindruck bestätigt. Die Analogie zum Thema Führung ist einfach herstellbar: Auch bei genauer Beobachtung von Mitarbeitern oder Kunden sind Fehleinschätzungen jederzeit möglich. Eigenschaften, die vorher nicht erkannt wurden, werden durch diesen Schritt bemerkbar. Die Botschaft an Führungskräfte und den Mitarbeiter ist, sich nicht zu schnell festzulegen, sondern das eigene Bewertungsschema und das eigene Verhalten stets zu hinterfragen.

4. Schritt: Bewertung

Bewertung/Schlussfolgerung: Der wesentliche Schritt einer Weinverkostung besteht darin, den verkosteten Wein einzuordnen und zu bewerten. Handelt es sich um einen qualitativ hochwertigen Wein, also einen komplexen Wein mit hohem Alterungspotenzial, oder um einen Wein, der unkompliziert ist und schnell getrunken werden sollte? Ist der Wein teuer oder eher preisgünstig? Zu welchem Essen könnte der Wein perfekt harmonieren (Food-Pairing)? In diesem Schritt werden die Schlüsse gezogen, die aus den ersten drei Stufen gewonnen wurden. 

 

Leadership: Auch hier ist die Analogie zum Thema Führung eindrucksvoll darstellbar: Erst wenn man alle Informationen hat, können fundierte Entscheidungen getroffen werden. Fehlen Informationen, werden ggf. falsche Entscheidungen aufgrund einer mangelnden Datenlage getroffen. Deshalb steht die Frage im Raum: Habe ich alles genau analysiert? Weiß ich alles, um eine tragfähige Entscheidung zu treffen? Muss ich nochmal in die Analyse der vorhandenen Aspekte?

 

Weiterhin wird deutlich, dass unter falschen Rahmenbedingungen oder bei einem falsch gewählten Aufgabenbereich auch der hochqualifizierte Mitarbeiter wirkungslos bleibt. Analog zum Food-Pairing muss der Mitarbeiter passend zur Aufgabe eingesetzt werden. 

 

Darüber hinaus wird deutlich, welche Bedingungen vorhanden sein müssen, dass sich ein Mitarbeiter im Laufe der Zeit zu einem besseren Mitarbeiter entwickelt und nicht als durchschnittlicher Mitarbeiter stehen bleibt.

Weinverkostung zur Motivation und als Teambuildingmaßnahme

Zusätzlich oder als Ersatz zu einer erlebnisorientierten Teamentwicklung ist eine Weinverkostung als Teambuilding ein nachhaltiges Event, dass das gemeinsame Miteinander sehr stark fördert.

 

Die Teilnehmer lernen wieder, Prozesse und Aufgaben nicht als gegeben hinzunehmen, sondern diese zu hinterfragen und neu zu überdenken. Neue Ideen werden spielerisch kreiert. Dafür ist das Medium Wein perfekt geeignet. Es gelingt, Mitarbeiter von der täglichen Routine zu lösen, so dass diese stattdessen versuchen, neue Wege und Lösungsansätze zu finden und damit die eigene Komfortzone erweitern.

Leadership-, Teamthemen und Wein

Welche Leadership- und Teamthemen können mit Weinverkostungen abgebildet werden?

  • Change Prozesse – Was sind Erfolgsfaktoren? Unternehmen und Mitarbeiter, die sich in Change Prozessen befinden, durchlaufen immer verschiedene Ebenen. Ob der Veränderungsprozess positiv, verzögert oder negativ verläuft, kann mit verschiedenen Weinen eindrucksvoll dargestellt, verkostet und somit schmeckbar werden. Kleinste Veränderungen können große Auswirkungen haben.

  • Führung von älteren Mitarbeitern: Wein zeigt im übertragenen Sinne, welches Poten­zial auch ältere Mitarbeiter haben, aber auch welche Faktoren dazu beitragen, dass die Qualität möglichst lange erhalten bleibt. Wie geht man mit einem teuren alten Bordeaux um, wie mit einem älteren Mitarbeiter? Ältere Weine können hervorragend schmecken, können aber auch nicht genießbare Tropfen sein. Nicht alle Weine wer­den mit der Zeit besser, manche werden schlechter. Hier ist die Qualität in der Flasche genauso entscheidend, wie die Lagerbedingungen.
  • Wahrnehmung und Interpretation – Verpasste Chance und Fehleinschätzungen: Kein anderes Medium kann die Wahrnehmungsfä­higkeiten von Teilnehmern so aktivieren und schärfen wie Wein. Hier werden alle Sinne angesprochen und aktiviert. Gleichzeitig wird deutlich, wie Fehlinterpreta­tionen in eine Sackgasse führen und welche Folgen falsche Wahrnehmun­gen auch im Kontext Führung haben können.
  • Kommunikation im Team: Weinverkostungen bewirken unter einer gelösteren Atmosphäre ei­nen anderen Austausch untereinander und stärken dadurch den Teamgedanken. Die Kunst, Weine zu beschreiben und entsprechend zu kommunizieren, fördert weiter­hin einen anderen Wortschatz und aktiviert dadurch ebenfalls neue Denkwei­sen.
  • Terroir – welche Faktoren beeinflussen die Mitarbeiterentwicklung? Der Begriff Terroir beschreibt die Einflussfaktoren, die unterschiedliche örtliche Umweltbedingungen und auf das Endprodukt Wein haben. Auch hier wird im Rahmen von Führung deutlich, wie variierende Rahmenbedingungen unterschiedliche Mitarbeitereigenschaften bedingen und welche Eigen­schaften die Führungskraft entwickeln und verändern kann bzw. worauf sie kei­nen Einfluss hat.
  • Motivator oder Mitläufer: Ist die Führungskraft oder der Mitarbeiter in der Lage, sich selbst oder andere zu motivieren? Ist man der nette Grauburgunder, mit dem jeder kann oder zeigen die Führungskräfte und Mitarbeiter ‚Kante’ und schwimmen auch einmal gegen den Strom? Um Organisationsstrukturen zu verändern und voranzubringen, bringt es wenig, ständig mit dem Strom zu schwimmen und niemals anzuecken. Nur wer sich und andere ständig fordert, ist bereit, sich auch auf Neues einzulassen und ist dafür offen, bekannte Dinge zu hinterfragen und auszuprobieren. 
  • Open Minded im Mitarbeiter- und Kundenkontakt: Fehler bei der Beurteilung oder Einschätzung von Mitarbeitern und Kunden passieren letztendlich immer dann, wenn man zu wenig über den Anderen weiß. Wissenslücken werden in der Regel dann mit Spekulationen und Annahmen gefüllt. Oft geht man auch mit vorgefertigten Meinungen und Annahmen in ein Mitarbeiter- oder Kundengespräch, liegt aber evtl. damit falsch und verpasst somit klare Chancen. Eine Verkostung, insbesondere eine Blindverkostung, schult hingegen das Verhalten, sich nicht zu schnell festzulegen oder fördert das strukturierte und assoziative Denken. Erst wenn man ein vollständiges Bild hat, erfolgt eine Interpretation und Analyse von dem, was man wahrgenommen hat.
  • Erfolg ist schmeckbar! Jeder Winzer auf der Welt wird die Aussage bestätigen, dass aus schlechtem Traubenmaterial kein guter Wein produziert werden kann. Erfolgreiche Weine zeichnen sich deshalb meist dadurch aus, dass im Weinberg qualitativ hochwertige Trauben produziert wurden. Aber wie schmeckt ein herausragender Wein? Was ist anders im Vergleich zu einem weniger guten Wein? Letztendlich besteht ein Wein maßgeblich aus Wasser und Alkohol, die Erfolgskomponenten sind demnach also nur in einem geringen Umfang enthalten, aber diese bestimmen den Erfolg. Wo sind die Erfolgsfaktoren einer Führungskraft, die objektiv betrachtet nur einen kleinen Anteil ausmachen, aber eine sehr große Rolle auf die Führungsqualität haben?
  • Entscheidungsfindung – Step by step! Klassische Verkostungen von Wein laufen nach einem normierten Verfahren ab. Erst dann kann man ein Urteil über den sich im Glas befindlichen Wein abgeben. Ziel sollte es sein, dass insbesondere auch Führungskräfte Entscheidungen erst dann treffen, wenn relevante Faktoren zur Entscheidungsfindung vorliegen, aber letztendlich auch wichtige spontane Bauchentscheidungen zulassen.
  • Vom Top Performer zum Low Performer: Was bringt Mitarbeiter dazu, dass ein ursprünglich engagierter und motivierter Mitarbeiter, sein Engagement verliert, die Leistung nachlässt und letztendlich das Prädikat Low Performer verliehen bekommt? Wie ist die Analogie beim Wein: Warum werden aus der exakt gleichen Traubenart einmal Weine, die köstlich schmecken und hohe Preise auf dem Markt erzielen? Ein anderes Mal entsteht ein billiges, nicht besonders attraktives Produkt. Wo sind die Einflussfaktoren?
  • Umgang mit Low Performern: Was macht man als Unternehmen bzw. Führungskraft mit Low Performern? Soll man diese Mitarbeiter intensiv weiterbilden und trainieren? Mit welchem Ziel und welcher Erfolgschance? Was macht man mit minderwertigen oder weniger herausragenden Weinen? Liegen lassen und hoffen, dass die Qualität besser wird oder eher schnell trinken? Investiert man viel Geld in einen perfekt temperierten Weinkeller mit passender Feuchtigkeit oder entsorgt man evtl. die Flasche lieber? Was ist sinnvoller? 
  • Stress und Qualität: Aus dem Weinbau weiß man, dass geringer Stress, der auf Rebstöcke einwirkt, einen positiven Einfluss hat. Stress durch Trockenheit oder Nährstoffmangel bewirkt, dass die Rebe versucht, die Trauben besonders aktiv mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen, um das Überleben zu sichern. Das führt zu einer geringeren Ertragsmenge, aber mit wesentlich besserer Qualität. Wann wird der Stress für die Pflanze aber zu viel, so dass die Qualität der Trauben leidet?

    Was passiert also mit Führungskräften und Mitarbeitern, die unter Stress stehen? Wann ist der Stress positiv und erzeugt hohe Qualität bei der Arbeit? Wann werden auch neue Lösungswege gefunden? Wie viel Stress ist gut, wann wird Stress schädlich?

Call to Action

Interessiert an einer (virtuellen) Weinverkostung?

Setzen Sie sich gerne mit unserer Tochterfirma Passion & Wine in Verbindung.

Telefon: 01 71-2 68 31 45
Email: info@passion-wine

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